Übersichtskarte

Illegal!

Sonntag, 06.02.2011

Amigos!!

Nach langem Überlegen und angesichts der Tatsache, dass ich mit meinem Blog inzwischen hoffnungslos zurückliege,habe ich beschlossen, meinen zeitlich-chronologischen Aufbau der Einträge aufzugeben und heute von meinen gesamten bisherigen Nicaraguaerfahrungen zu berichten. Dies erfordert allerdings einen kleinen Zeitsprung in der Mitte des Blogs, der wahrscheinlich der bisher Längste werden wird.

Alles begann am 4. Dezember, als sich meine gesamte Hostfamilie, mein -inzwischen leider ehemaliger- Hostbruder Benjamin und ich sich auf einen Wochenendtrip nach Nicaragua aufmachten. Ich ahnte natürlich nicht, dass dies -für mich- der Auftakt
einer wochenlangen Odysee durch das costaricanische Einwanderungs- und Rechtssystem werden würde, in dessen Verlauf ich unter anderem zweimal nur knapp einer Verhaftung entgehen würde, meinen Reisepass abzugeben hätte und insgesamt ca. 1 1/2 Monate als "illegal immigrant" in Costa Rica leben würde...

Aber der Reihe nach. Frühmorgens machten wir uns also, eingezwängt im winzigen Familienauto auf den Weg an die Grenze. Dort angekommen stellten wir das Auto ab und überquerten die "frontera" zu Fuß. Ein Tipp an alle Reisenden: Die "Zu-Fuß-Methode" ist die absolut einzig Praktikable an hier. Autobesitzer müssen teilweise bis zu 3 Tage auf ihre Einfuhrerlaubnis warten. Angesichts der Tatsache allerdings, dass die Grenze eher einem Viehmarkt als einer staatlichen Institution gleicht, ist das kein großes Wunder... dazu aber später mehr.

An der Grente mit meiner Hostfamilie. (v.r: Esteban, Amanda, Ich, Benni, Luis, Zulay)

Mit Benni und mir im "gringo-Schlepptau" bahnte sich unsere Hostfamilie zügig einen Weg durch die Menschenmenge und kurze Zeit später waren wir in Costa Ricas "armen Nachbarn" angelangt. Und was wurde uns für ein Empfang bereitet! In dem Augenblick nämlich, als Benni und ich -zwei blonde Ausländer- einen Fuß über die Grenze setzten, ließen sämtliche dort wartenden Taxifahrer alles stehen und liegen und stürzten sich regelrecht auf uns. So standen wir da, eingekreist von ca. 50 "Nicos", die uns unverständliche Satz- und Zahlenfetzen zubrüllten, an unseren Armen zerrten und uns Zettel in die Hand drückten... wir wären am liebsten auf dem Absatz umgedreht. Zwinkernd

Versteht mich nicht falsch, es war nicht das erste mal, dass uns das passierte, auch in Costa Rica wird man ständig angequatscht... aber derart agressiv und aufdringlich hatte ich es noch nie gesehen. Die Typen waren echt nicht gewillt uns so schnell wieder gehen zu lassen. Nur mit Hilfe unserer Hostfamilie schafften wir es uns durch die "muchachos" zu quetschen und ins erste offizielle Taxi zu springen, das uns nach Granada brachte.

Granada ist die mit Abstand schönste Stadt, die ich bisher in "central-america" gesehen habe. Ganz im alten Kolonialstil erbaut und mit hunderten bunten Hauswänden bot sie dem Auge eine mehr als willkommene Abwechslung nach drei Monaten Wellblech oder Betonklotz. Wir kamen mit dem Fotografieren kaum hinterher.

Nach einer einstündigen sightseeing-tour in einer niedlichen Kutsche (für ca. 1€ p.P.) kletterten wir eine schwindelerregende Leiter empor auf den höchsten Kirchturm der Stadt... das Panorama das sich uns von dort oben bot war einfach atemberaubend.


Unser nächstes Ziel war Managua, die Hauptstadt Nicaraguas. Den Weg dorthin legten wir in dem ältesten und klapprigsten Bus zurück, den ich bisher auf meiner Reise gesehen habe und das will wirklich etwas heißen. Der Busfahrer war allerdings der Meinung er könne den Zustand seines Gefährts durch seine Fahrgeschwindigkeit kaschieren, und so rasten wir die staubige Straße mit geschätzten 100 Sachen entlang (der Tacho sowie jegliches andere Instrument des Amaturenbretts fehlten), immer in der Gefahr, dass uns der Boden plötzlich unter den Füßen wegbrechen könnte und stets nach dem Motto "Wo is die verdammte Lücke". Zwinkernd

Managua selbst stellte sich dann leider als mittelgroße Enttäuschung heraus.                  Was stets als das "Shoppingparadies von central-america" angepriesen wurde, war im Endeffekt eine große, amerikanische Mall, wie man sie inzwischen überall auf der Welt findet. Leider waren auch die Preise amerikanisch und so begingen wir nach dem Besuch in der Mall auf der Suche nach echten Schnäppchen den wohl schlimmsten Fehler den man als "gringo" in Managua machen kann... wir statteten dem "mercado oriental" einen Besuch ab.

Der "mercado" ist eigentlich nichts anderes als ein einziger, riesiger, wellblech-bedachter Komplex aus Fabrikhallen, in der sich hunderte winziger Shops aneinanderreihen. Ohne ersichtliche Ordnung führen kleine Pfade durch dieses Gewirr, als Neuling hat man sich hier im Nu verirrt. Hinzu kommt, dass sämtliche Stände das Gleiche verkaufen...schlecht gefälschte Jeans und Schuhe, billigen Plastikramsch und -fragt mich bitte nicht warum- frittierte Hühnchenteile. Letztere liegen dann einfach als großer Stapel neben oder auf den Klamotten und verbreiten zusammen mit dem überall herumliegenden Abfall einen bestialischen, brechreizerregenden Gestank.

Fotos von dem Chaos konnte ich leider nicht machen, da wir am Eingang "freundlicherweise" darauf hingewiesen wurden, dass wir nicht die ersten "gringos" wären, denen man die Kameras beim Fotografieren von den Händen geschnitten hätte...

Ein weiterer, unangenehmer Nebeneffekt der Tatsache, dass alle Stände das Gleiche verkaufen ist die daraus resultierende Konkurrenz untereinander, denn somit müssen die Verkäufer sich irgendwie die Aufmerksamkeit der vorbeigehenden Kunden verschaffen. Lautes Brüllen ist die erste Methode die wir kennengelernt haben, meist aus knapp 5 cm direkt in unser Ohr. Da allerdings sämtliche Verkäufer dies tun ist die Erfolgsrate hier eher mangelhaft.

Viel wirksamer ist da die zweite Methode... man stelle sich einfach rechts und links der nur knapp einen Meter breiten Gasse auf, warte bis sich ein potenzieller Kunde in der Mitte befindet (vorzugsweise ein blonder Ausländer), packe ihn an beiden Armen und ziehe ihn unter beruhigendem Gebrabbel in seinen Laden.... Voila. Erfolgsquote hervorragend! Brüllend

Nun ja, ich hoffe ihr könnt euch in etwa vorstellen wie es uns in dieser "klaustrophobischen Irrenanstalt" ergangen ist, nach den knapp zwei Stunden dort waren wir völlig am Ende schliefen wir beinahe sofort ein... eingezwängt auf der Rückbank eines winzigen Taxis das uns durchs nächtliche Managua zu unserem Hotel brachte.

Am nächsten Morgen machten wir uns dann auf den Rückweg nach Liberia. Wir fuhren zur Grenze, überquerten sie, kassierten unseren "Nicaragua-emigration-stamp", setzten uns ins wartende Auto und fuhren los... doch halt! Fehlte da nicht irgendetwas?      Richtig! Der Wachposten an der Grenze hatte vergessen uns den "CostaRica-immigration-stamp" zu geben, ein Fehler der mir aber erst gute zwei Wochen später auffallen sollte.

An dieser Stelle übrigens ein Hoch auf die Männer und Frauen der costa-ricanischen und nicaraguischen Grenzbehörde, die immer ihr Bestes geben und sämtlichen Reisenden durch ihre Aufmerksamkeit, Freundlichkeit und überragende Kompetenz in Erinnerung bleiben.... NOT!!!

Mit unseren -offensichtlich- unvollständigen Pässen wanderten wir in aller Seelenruhe durch 3(!!!) Polizeikontrollen, deren einziger Job es ist den Pass aufzuklappen, sich das Foto anzusehen und zu kontrollieren ob der Reisende auch die zwei (...eins....zwei...) benötigten Stempel bekommen hat. Die "officers" konnten jedoch anscheined im (sprich)wörtlichen Sinne "nicht bis drei zählen".

Hätte sich auch nur einer der drei Posten die Mühe gemacht die Stempel tatsächlich zu kontrollieren, hätte die folgende Odysse wohl nie stattgefunden, so aber nahm die Geschichte ihren Lauf und meine Zeit als "illegal immigrant" begann.

Ca. zwei Wochen später, als ich schließlich den fehlenden Stempel bemerkt hatte, machte ich mich zuerst ins lokale "immigration-office" auf. Dort konnte man mir allerdings nicht nur NICHT helfen, ich hatte auch das dringende Gefühl, dass die Dame am Schalter zum ersten Mal in ihrer Karriere einen ausländischen Pass in der Hand hatte. Jedenfalls meinte sie nach eingehender Beratung mit ihrem Vorgesetzten, dass ich einfach zurück zur Grenze fahren und mir den Stempel abholen müsse - das ganze sei eine Angelegenheit von gerade mal fünf Minuten. Pura Vida!

Gesagt getan, drei Tage später quälten meine Hostfamilie (denen der Stempel ja auch fehlte) und ich sich um 4 Uhr morgens aus den Betten, um auch ja die ersten an der Grenze zu sein und die Sache schnell über die Bühne zu bringen. Wir hatten die Rechnung allerdings ohne die nicaraguanischen Gastarbeiter gemacht, die in dieser Jahreszeit zu Tausenden für die Zuckerrohrernte nach Costa Rica strömen. Und so glich die Grenze schon um 5 Uhr morgens einem Irrenhaus.

Und es wurde nicht besser. Nachdem wir nämlich ca. eine Stunde in der Schlange des costaricanischen "immigration desks" gewartet hatten, erklärte uns der mürrische Angestellte, dass es sich hierbei nicht etwa um ein Problem der costaricanischen, sondern der nicaraguanischen Behörden handle.

Frustriert und etwas verwirrt stiefelten wir also ca.einen Kilometer durchs Niemandsland bis wir den nicaraguanischen "immigration desk" erreichten. Wieder hieß es warten und wieder wurde uns erklärt dass dies doch nun wirklich kein Problem der nicaraguanischen sondern der costaricanischen Behören sei ... NA KLASSE!!!

Langsam schwahnte mir, dass wohl keiner an dieser Grenze so richtig wüsste was zu tun sei, auch wenn sie alle furchtbar wichtig erscheinen wollten. Und leider war es auch so. Insgesamt wanderten wir 3(!!!) mal von Seite zu Seite, bis meinem Hostvater, nach 4 erfolglosen Stunden in der glühenden Hitze und umgeben von bettelnden Kindern, monsterhaften LKWs und stoischen Ochsenkarren schließlichder Kragen platze.

Er schnappte sich die erstbeste Grenzangestellte, die aussah als hätte sie ein bisschen mehr im Kopf als gebohnerte Stiefel und große Kanonen (die männlichen Polizisten waren allesamt auf Hochglanz gestriegelt) und verlangte eine Erklärung von ihr.... Hätte er das mal lieber sein lassen.

Es stellte sich nämlich schnell heraus, dass sie nicht etwa nur eine Angestellte war, sondern die Vorsitzende der costaricanischen Grenzpolizei... autsch!!! Hinzu kam noch ihre offensichtliche Abneigung gegen Ausländer, kurzum, wir hatten den Sechser im Lotto gezogen.

Kommentarlos höre sie sich meine Geschichte an, holte dann ihr Funkgerät hervor und rief die Grenzpolizei mit der Begründung einen "illegal immigrant" gefunden zu haben. ÜberraschtUnd so stand ich dann, ehe ich es mir so recht versah, eingekreist von vier der -oben beschriebenen- Polizisten, die -wohl aufgrund meines "kämpferischen" Aussehens oder meiner ungewohnten Haarfarbe- sicherheitshalber sogar einen Poizeihund mitgebracht hatten. Ihr könnt euch nicht vorstellen wie BESCH***** ich mich in diesem Moment gefühlt habe.

Mit großem Getue stellte sich meine neue Freundin vom Grenzschutz dann mit in die Seiten gestützten Armen vor mich, nahm bedächtig ihre Ray Ben ab und sah mich von "oben herab an". Hätte sie zumindest gerne. Das Problem war jedoch, dass sie mir mit ihren geschätzten 1,50m nur knapp bis zum Bauch ging, was ihre Imposanz doch beträchtlich minderte. Wäre die Situation nicht so wahnsinnig unangenehm gewesen hätte ich mir ein Lachen glaube ich kaum verkneifen können. Zunge raus

Nach ihrer kleinen Showeinlage stellte sie mir in Lichtgeschwindigkeitsspanisch meine beiden Optionen vor, ohne meinen Hostvater wäre ich verloren gewesen. Mit Engelsgeduld erklärte er mir alles auf "Anfängerspanisch", da es an der gesamten Grenze anscheinend keinen englischsprechenden officer gab. Warum auch, ist ja nur eine Grenze...

Grob gesagt sahen meine Optionen folgendermaßen aus:

1. Ich würde verhaftet werden, eine Nacht in eine Zelle in San Jose verbringen und am Morgen mit dem ersten Flieger nach Deutschland zurückgeschickt werden....

2. Ich müsste ihr meinen Pass aushändigen und könnte ihn mir 5 Tage später im Polizeiquartier von San Jose zwischen 8.00 und 9.30 abholen. (Sowohl "San Jose" als auch die zeitliche Einschränkung waren reine Schikane, da sie genau wusste, dass ich in Liberia lebe, wo es auch ein immiration office gibt, und die Busse so unregelmäßige Zeiten haben, dass es beinahe unmöglich ist pünktlich zu sein.... außer man nimmt den ersten Bus um 4 Uhr morgens...)

Allerdings hatte ich natürlich keine andere Wahl als gute Mine zum bösen Spiel zu machen, dankbar die zweite Option zu wählen und ihr meinen Pass zu übergeben, den sie achtlos auf einen kleinen, mit dutzenden anderen Pässen übersäten warf... ich dachte nicht dass ich ihn jemals wiedersehen würde. Unentschlossen

NEXT PART COMING SOON !!!!

Montezuma & "Dirty weekend"

Montag, 20.12.2010

Hola amigos!

Könnt ihr euch vorstellen wie merkwürdig es ist, morgens bei 28°C auf der Terrasse zu frühstücken und bei einem Blick auf den Kalender festzustellen, dass es nur noch 4 (!!!) Tage bis Weihnachten sind? Oder am Strand zu liegen, während die Bar im Hintergrund nicht etwa "Sommer, Sonne, Sonnenschein" sondern "Last Christmas" und "Jingle Bells" spielt?!

Genau das passierte mir in Montezuma, wo wir vor kurzem das Wochenende verbrachten. Obwohl man keinen unserer Trips wirklich gut durchdacht nennen kann, setzte dieser in Sachen Ungeplantheit wohl noch einen oben drauf.

Am Abend zuvor hatten wir Volunteers nach langer Diskussion entschieden nach San Jose zu fahren. Dieser Plan musste jedoch um zwei Uhr morgens noch einmal grundlegend geändert werden, da die Busfahrer beschlossen hatten sich einen freien Tag zu gönnen.

Und so stolperte Benni, mein Hostbruder, mitten in der Nacht breit grinsend in mein Zimmer um mir mitzuteilen, dass wir a) nicht nach San Jose sondern nach Montezuma fahren würden und b) der Bus nicht wie geplant um 8 Uhr morgens sondern um 4 Uhr morgens abfahren würde, in knapp 45 Minuten.

Nachdem wir beide diese Botschaft einigermaßen verdaut hatten, packten wir also totmüde, unter Zeitdruck und jegliches Licht und Lärm vermeidend unsere Rucksäcke für vier Tage Strand. Ich kann euch gleich sagen, es ging hoffnungslos schief. 

Und so stand ich dann nach erfolgreicher Ankunft im Hostel etwas ratlos vor meinem Gepäck und fragte mich, warum ich es in der Nacht zuvor für notwendig gehalten hatte 11(!!!) Paar Socken und T-shirts mitzunehmen, Handtuch und Badehose aber für einen Strandausflug überflüssig gehalten hatte. Lächelnd

Gottseidank sah es in den anderen Koffern auch nicht besser aus und so tauschten wir einfach so lange hin und her, bis alle gut ausgerüstet waren. Nachdem wir dieses Hindernis überwunden hatten war das Wochenende einfach klasse.

Der Ort Montezuma (hierzulande auch MonteFuma genannt.....Zunge raus) ist mehr oder weniger eine einzige kleine Hippikommune, in der jeder jeden kennt. Nachts wird immer auf den Straßen gefeiert, Feuerspucker, Trommler und Jongleure unterhalten sich und andere. Zusammen mit den Reggae-klängen der zahlreichen kleinen Strandbars im Hintergrund... ein Paradies.

Unser Hostel lag mit tollem Blick direkt am Strand, und so "fielen" wir morgens quasi einfach aus dem Bett auf den playa, wo wir auch meistens den Tag lang liegen blieben  Lachend.

Eirik bei seiner LieblingsbeschäftigungBlick vom Balkon

Nur einmal rafften wir uns nach dem Frühstück auf und wanderten zu den berühmten "cascadas de montezuma", einem 3fach Wasserfall (4m, 12m, 18m,), den man runterspringen konnte, ein irrer Spaß.

Suchbild! Wer findet mich?

Der Weg dorthin führte uns den Flusslauf entlang quer durch den Regenwald. Jeder, der schon einmal in dieser grünen Hölle unterwegs war weiß, wie unglaublich anstrengend jeder Schritt bei der enormen Luftfeuchtigkeit und Temperatur ist und so erreichten wir den Wasserfall alle mehr oder weniger am Ende. Unsere Strapazen wurden jedoch mehr als belohnt, die cascadas waren einfach atemberaubend.

Nach vier Tagen hieß es dann "back to Liberia", aber wir haben einstimmig beschlossen, dass dies nicht unser einziger Besuch in Montezuma bleiben würde. Auf der Rückfahrt mit der Fähre über den "Golfo de Nicoya" zeigte sich Costa Rica einmal mehr von seiner wunderschönen Seite, sämtliche Passagiere standen wie gebannt an Deck.

Am nächsten Wochenende hieß es dann wieder "anpacken!", eIn "dirty weekend" stand an, also ein Tag an dem sich alle Volunteers an einem der vielen örtlichen Kindergärten oder Grundschulen treffen um diese zu "verschönern".

Dieses Mal war es unsere Aufgabe die Außenfassade einer Kindertagesstätte zu bemalen, die bis dato langweilig blau-grau war. Nach einigen schweißtreibenden Stunden in der glühenden Mittagssonne, viel Gekleckse und Gelächter hatten wir es dann geschafft, die Wand war bunt... und wir auch Zwinkernd

Sonntags ging es dann -natürlich- an den Strand, dieses Mal allerdings mit meiner Hostfamily. Mein Hostbruder, Esteban, hatte seit drei Tagen von nichts anderem geredet, da ich ihm einen "Bananaboat-trip" versprochen hatte. Am Strand hat er es dann irgendndwie geschafft uns die doppelte Zeit zum gleichen Preis zu verschaffen und so düsten wir gut dreißig Minuten durch die Wellen, ein Riesenspaß!

Entschuldigt bitte, dass ich mit meinem Blog inzwischen so weit im Verzug bin, ich werde mir Mühe geben baldmöglichst wieder aufzuholen. In den letzten Wochen gab es einfach wirklich viel was mich daran hinderte die Zeit für meinen Blog zu finden... nicht zuletzt die Tatsache dass ich momentan den Status eines "illegal immigrant" habe und tatsächlich einen "criminal record" in Costa Rica besitze... aber davon mehr im nächsten Blog! gefaengnis-smilies-0001.gif von smiliesuche.de

Ich hoffe es geht euch allen bestens und ihr seid gut ins neue Jahr gekommen!!

Pura Vida,

Philipp

Aventuras en "Rincon de la Víeja"

Dienstag, 23.11.2010

Pura Vida!

Aufgrund akuten Zeitmangels ist mein Blog in der letzten Woche -mal wieder- viel zu kurz gekommen.Unentschlossen

Das liegt vor allem daran, dass ich inzwischen nicht nur an meiner Schule unterrichte, sondern auch eine sogenannte "community-class" habe. Das Ganze ist ein sehr interessantes Projekt von meiner Organisaton hier, das den Menschen aus der Stadt die Möglichkeit gibt Englisch-Unterricht zu bekommen -unabhängig vom finanziellen und sozialen Status.

Wir treffen uns zwei Mal in der Woche abends in einem Klassenzimmer, wo wir Volunteers dann unterrichten. Das ganze ähnelt dem Schulunterricht auch ziemlich, nur eben mit erwachsenen "Schülern". Erwachsene zu unterrichten ist erstaunlicherweise um einiges zeitaufwendiger als Kinder zu unterrichten, vor allem weil es viel länger dauert bis sie selbstsicher genug sind eine Frage oder Aufgabe laut vor dem Rest der Klasse zu beantworten.

Trotzdem macht es großen Spaß, vor allem, weil ich deutlich merke, dass alle wirklich etwas lernen wollen und sich deshalb große Mühe geben.Außerdem ist es eine echte Wohltat mal bei einem Lautstärkepegel von unter -gefühlten- 100 dB zu unterrichten Zwinkernd

Da das Ganze kostenlos und freiwillig ist kommen ganz verschiedene Menschen zu den Abenden. In meiner Klasse sind vor allem Polizisten, die einige englische Sätze im Alltag natürlich gut gebrauchen können, aber auch ein Kioskbetreiber, zwei Studenten und ein Ehepaar samt fünfzehnjährigem Sohn. Meist ist er es, der die Aufgaben als erster versteht und sie dann mit mir den anderen vormacht Lachend

Persönlich finde ich das Projekt wirklich klasse, vor allem weil man auch echte Fortschritte sieht. Neulich habe ich mich zum Beispiel mit einem Busfahrer unterhalten, der die community-classes seit zwei Jahren besucht, und inzwischen richtig gut Englisch spricht. Er hat mir erzählt, dass er die Sprache unbedingt brauchte um endlich in einem privaten Unternehmen fahren zu dürfen, er aber nie das Geld für Sprachstunden aufbringen konnte. Durch unsere community-classes ist er nun vor kurzem in dem Busunternehmen angestellt worden und kommt jetzt jeden Abend früh genug nach hause um seine Kinder noch zu sehen. Und wenn man so etwas durch Freiwilligenarbeit erreichen kann ist das doch wirklich toll!

Nun aber zu den vergangenen Wochenenden Lachend Vorletztes "fin de semana" haben wir am "Playa Tamarindo" verbracht, einem Strand der international als der "Ballermann" von Costa Rica bekannt ist. Ich glaube diese Bezeichnung ist ziemlich selbsterklärend, und  möchte hier deshalb auch nicht viel näher auf die Geschehnisse dieses Wochenendes eingehen. Zwinkernd Nur soviel: Zwar wurde ich von der ein oder anderen Welle regelrecht "misshandelt", aber trotzdem habe ich meine ersten Surfstunden erfolgreich hinter mich gebracht, und es macht einfach irre Spaß!

Von meinem letzten Wochenende kann ich um einiges mehr berichten. Samstag haben wir an einem Strand in der Nähe von Liberia verbracht und am Abend den Geburtstag von zwei Volunteers gefeiert - natürlich in unserer Stammkneipe, dem "Palermo".

Sonntag morgen machten wir uns dann, totmüde aber ausgerüstet mit literweise Kaffee und Red Bull, auf den Weg nach Rincon de la Vieja, dem Vulkan, den ich schon an meinem ersten Wochenende hochgewandert war. Wir hatten ein unglaubliches Programm vor uns, von "watertubing" über "horsebackriding" bis hin zu "hot springs" war einfach alles dabei.

Den Anfang machte eine zweistündige "canopy-tour". Bei einer "canopy-tour" saust man, angeschnallt an ein gespanntes Stahlseil, von Plattform zu Plattform. Nachdem wir uns also in unsere Klettergurte gezwängt hatten, was vor allem für uns Jungs ziemlich gewöhnungsbedürftig war, ging es auch gleich rauf auf den ersten Baum, ran ans Seil und -zack- über die Baumkronen hinweg bis an die gegenüberliegende Seite des Tals- ein unglaubliches Erlebnis.

Auf die gleiche Weise durchquerten wir dann einen Wasserfall, eine Schlucht und den Regenwald - teilweise sogar kopfüber am Seil hängend. Zwei Stunden später kamen wir dann wieder an unserem Ausgangspunkt an - wohlbehalten aber mit einem überirdischen Adrenalinpegel im Blut Lachend

Viel Zeit zum Ausruhen blieb uns allerdings nicht, denn kaum hatten wir uns -endlich- wieder aus den Gurten geschält, saßen wir auch schon im Bus auf dem Weg zum nächsten Erlebnis - "watertubing".

In überdimensionalen "Donuts" sitzend (etwa so kam ich mir vor) ging es für uns gute zwei Stunden über Stock und Stein, durch Stromschnellen und Strudel. Es galt: Wer umkippt, verliert!! Das ganze war so rasant, dass wir erst im letzten langsameren Teil, dem sog. Pool, den uns umgebenden, sonnenbeschienenen Regenwald so richtig genießen konnten.

Erschöpft, klatschnass aber glücklich kehrten wir dann schließlich mit knurrendem Magen zu dem Hotel, dem Ausgangspunkt aller Unternehmungen, zurück. Dort wartete auch schon ein köstliches Mittagsbuffet auf uns und ihr könnt euch nicht vorstellen wir gut das nach sechs Wochen "gallo pinto" (Reis mit Bohnen) geschmeckt hat!! Lachend

Nach dem Essen und einer kurzen Pause näherte sich dann der Programmpunkt vor dem ich persönlich am meisten "Respekt" hatte: "horsebackriding". Ihr alle wisst dass ich vom reiten und von Pferden ungefähr so viel Ahnung habe wie von der Steuerung eines Spaceshuttels, weshalb ich die Hoffnung hatte bei der "Pferdevergabe" Glück zu haben... aber natürlich wurde mir das Alphatier der Gruppe zugeteilt.

Ehe wir uns versahen trabten wir auch schon los. Zumindest die anderen trabten, ich galloppierte (!!!). Bis ich herausgefunden hatte, dass man sein Pferd verlangsamt indem man gleichzeitig an beiden Zügeln zieht war es schon fast zu spät...

Nun eine Frage an euch Reiter und vor allem dich, Katharina: WIE könnt ihr dieses !?$%@"!* Auf- und Abgehopse länger als zehn Minuten ertragen?!? Als wir "gringos" nach 15 Minuten  -endlich- am Wasserfall ankamen, fielen wir quasi aus den Sätteln und es dauerte einige Zeit bis wir wieder normal gehen konnten Zunge raus

Nach einer Pause, während der ich es doch glatt schaffte mein Ohr durch einen Sprung in den Wasserfall für einen Tag "unbrauchbar" zu machen, hieß es auch schon wieder rauf in den Sattel und ab zum Hotel. Leider hatten mein Pferd und ich keine allzugute Beziehung, es bestand darauf ständig an erster Stelle der Gruppe zu reiten und ignorierte meine wüsten Flüche und Steuerungsversuche eiskalt. Zur Krönung des Ganzen stieg es mir auch noch auf den Fuß... wie gesagt, unsere Beziehung war nicht besonders herzlich...

Unter dem belustigten Blick von "Juan Carlo", unserem zehnjährigen Pferdeführer machten wir uns dann humpelnd von dannen auf dem weg zum nächsten -und letzten- Programmpunkt des Tages, einem SPA mit "hot springs". Soviel vorweg, es war das absolut Beste was uns nach diesem "Höllenritt" passieren konnte.

Da es bereits relativ spät abends war hatten wir die ganze Anlage für uns und konnten so ungestört eine grandiose "Vulkan-schlamm-schlacht" austragen, bei der kein Auge trocken blieb. Danach ging es in die "hot springs", die wirklich so heiß sind, dass man sich die ersten Minuten wie in einem Kochtopf fühlt. Danach gewöhnt man sich allerdings an die Hitze und es ist unbeschreiblich entspannend.

Auf der Heimfahrt haben wir alle noch einstimmig beschlossen, dass dies der bisher absolut beste Tag in Costa Rica gewesen war, bevor uns der Schlaf -im wahrsten Sinne des Wortes- übermannte Lächelnd.

Soweit so gut, der nächste Blog wird nicht so lange auf sich warten lassen - versprochen.

Ich hoffe es geht euch allen bestens und ihr lasst euch von dem momentan anscheinend etwas anstrengenden Wetter nicht unterkriegen!

Viele Grüße aus Costa Rica,

Philipp

"Monos locos" - "Verrückte Affen"

Freitag, 12.11.2010

Hola!

Gerade habe ich mit Schrecken festgestellt, dass ich inzwischen nicht nur ein, sondern gleich zwei Wochenenden mit meinem Blog im Verzug bin. Dies muss sich sofort ändern.

Vorletztes Wochenende haben wir im "Parque Nacional de Manuel Antonio" verbracht, ein Name, der das Herz jedes Costa-Rica Reisenden höher schlagen lässt. Und da ein Bild ja bekanntich mehr sagt als 1000 Worte, möchte ich euch das erste Foto zeigen, das ich vom dortigen Strand gemacht habe.

Blick aus dem Dschungel auf den Strand

Genauso paradisisch wie es auf dem Foto aussieht war es dann auch. Weiße Strände, kristallklares Wasser, dichter Regenwald im Hintergrund und kaum andere Besucher... einfach unglaublich!

Der Park selber ist winzig und mit seinen 7 km² der Kleinste im Land. Trotzdem leben dort unzählige Pflanzen- und Tierarten, allen voran die berühmt - berüchtigten "white-faced monkeys" (span.: monos), auf die wir alle sehr gespannt waren.

Eingang in den Park

Anfangs haben wir bei jedem noch so entfernten Kreischen unsere Kameras gezückt und waren begeistert wenn wir etwas in den Blättern rascheln hörten - bis wir dann an den Strand kamen, wo hunderte der Biester auf uns warteten.

Sie sind nämlich garnicht so niedliche, tollpatschige Kuscheltiere wie man sich immer vorstellt... viel eher verlauste, angriffslustige "Rabauken", für die wir Menschen einfach nur leichtes Futter bedeuten.

Ihr unfreundliches Wesen zeigt sich zum Beispiel wenn man versucht ein Foto von ihnen zu machen. Anstatt nett in ins Objektiv zu lächeln drehen sich die Affen nämlich -sobald man eine Kamera auf sie richtet- blitzschnell weg... einfach nur um einen zu ärgern.

Ich könnte euch jetzt also tolle Bilder von Affenrücken und anderen Teilen dieser Körperseite zeigen (Lachend), aber ich hatte schließlich die rettende Idee unsere Kameras mit Chipstüten zu tarnen. Auf diese Weise haben die Affen nicht nur aufgehört sich von uns wegzudrehen, wir genossen sogar ihre ungeteilte Aufmerksamkeit, da das Rascheln einer Chipstüte diesbezüglich wahre Wunder bewirkt.

Außerdem gibt es in Manuel Antonio einige ungeschriebene "Mono-regeln", mit denen man vertraut sein sollte. Die Wichtigste ist, dass die Menschen den Affen ausweichen sollten wenn sie sich entgegenkommen und nicht etwa umgekehrt. Falls ein unwissender oder besonders mutiger Besucher diese Regel missachtet, wird er sofort von einer Horde "monos" lautstark kreischend auf seinen Verstoß aufmerksam gemacht und in besonders schweren Fällen sogar mit Steinchen beworfen......oder mit Schlimmerem. Zwinkernd

Wie gesagt, die Biester haben einen ganz miesen Charakter.

Dies musste auch mein Hostbruder Benjamin erfahren, der zuvor noch laut getönt hatte er würde jeden moneky, der ihm zu nahe kommt, zu Kleinholz verarbeiten Zunge raus.

Gerade als wir uns nämlich auf den Rückweg gemacht hatten, ließ sich doch glatt ein ganz besonders bösartiges Exemplar von einem Ast hängend auf ihn fallen, öffnete blitzschnell seinen Rucksack, angelte sich die -LETZTE- Packung Pringels und sprang mit einem riesen Satz auf den nächsten Baum.

Dies alles geschah so schnell, dass wir erst realisierten was eigentlich passiert war, als der Affe schon längst den köstlichen Geschmack von "sour cream & onion" auf der Zunge hatte.Lächelnd  Was haben wir ihn verflucht!!!

Sämtliche Versuche die Chips zurückzuerobern oder dem dreisten Biest wenigstens einen ordentlichen Schrecken einzujagen schlugen jedoch kläglich fehl. Er saß seelenruhig auf seinem Ast und mampfte UNSERE Chips, wärend wir ihn - 6 Meter weiter unten - wüst beschimpften. Die einzige Reaktion zu der er sich herabließ war, dass er uns -nachdem er sämtliche Chips vertilgt hatte- die leere Dose an den Kopf warf.... man konnte beinahe hören wie er uns innerlich auslachte.

bitte lächeln.....

das Schild ist eigentlich überflüssig, die Affen sorgen schon selber für genug zu Fressen...

Insgesamt waren wir fünf Tage in Manuel Antonio (ich liebe verlängerte Wochenenden),konnten den Nationalpark aber aufgrund des Dauerregens nur einmal besuchen.

Das klingt vielleicht nach ziemlich viel Langeweile, tat der Sache aber überhaupt keinen Abbruch da wir in dem genialsten Hostel gewohnt haben das ich bis jetzt gesehen habe. Dort gab es nicht nur einen wirklich schönen Pool, Kicker und eine Beer-pong-platte, sondern vor allem WARMES Wasser. Nach einem Monat kalter Duschen am Morgen war das ein echter Segen!

Das Allerbeste war allerdings der/die/das "Tarzanswing", ein Seil, an dem man sich von einem Hügel ca. 10m hoch über einen kleinen Fluss schwingen konnte. Vor allem nachts hat es einfach unglaublich Spaß gemacht!!!

TarzanswingPool mit Blick :)

Morgenblick von der Terasse...

Ich kann also allen, die vorhaben Manuel Antonio zu besuchen das "Backpackers Hostel" nur wärmstens empfehlen! 10$ pro Nacht mit Frühstück ist einfach ein unschlagbares Angebot. http://www.backpackersmanuelantonio.com/ (Entschuldigt bitte die schamlose Werbung) Zunge raus

--> to be continued

Mi escuela!

Mittwoch, 03.11.2010

Buenas dias, amigos!

Wie versprochen ist hier nun -endlich- ein Blogeintrag über die Schule, an der ich Englisch unterrichte. Sie heißt "Escuela Laboratorio John F. Kennedy und ist eine sehr gute- wenn nicht sogar die beste- Schule hier in Liberia.

Die Eltern bezahlen für costaricanische Verhältnisse viel Geld für die Ausbildung ihrer Kinder, was die Lehrer hier einerseits natürlich etwas unter Druck setzt, andererseits aber den großen Vorteil bietet, dass die Schule ein gewisses Budget für die Ausstattung der Klassenzimmer und Unterrichtsmaterialien besitzt.

So hat jedes Klassenzimmer eine Tafel, Ventilatoren und Stühle für alle Schüler. Für uns mag all das ganz selbstverständlich klingen, aber glaubt mir, das ist es in Costa Rica ganz und gar nicht. Oftmals müssen die Schüler beispielsweise einfach auf dem Boden sitzen.

Mein Alltag an der Schule sieht in etwa so aus: Morgens um 7.00 beginnt der Unterricht und geht -für mich- bis ca. 12.30 oder 13.00. Medleen, die Englischlehrerin der ich "assiste" und ich, unterrichten jeden Tag sämtliche Klassen, das heißt von "Grade 1" bis "Grade 6".

In jeder der Klassen sind in etwa 25 Schüler, was für uns bedeutet: Jeden Tag 150 verschiedene Namen, Gesichter, Kinder .... wirklich, wirklich anstrengend kann ich euch sagen Lächelnd

Trotzdem macht es viel Spaß, vor allem weil die Kinder langsam Zutrauen zu mir fassen, sich im Unterricht melden und selbstständig mitarbeiten. Im Umkehrschluss heißt Zutrauen aber auch, dass die Lautstärke im Klassenzimmer während meiner Unterrichtsstunden langsam aber sicher zunimmt.... so leise wie an meinen ersten Tagen wird es wohl nie wieder sein. Zwinkernd

Medleen beginnt meist den Unterricht, führt die Kinder auf Spanisch ins Thema ein und ich übernehme dann auf Englisch. Allerdings habe ich letzte Woche auch schon meine erste Doppelstunde ganz alleine gehalten.

In den Pausen -und davon gibt es hier viele- wird meistens...... gegessen!! Ihr könnt euch nicht vorstellen was die Kleinen hier täglich verputzen. Alle essen zuhause ein großes Frühstück, kommen dann in die Schule und frühstücken nach einer Stunde gleich nochmal. Dieses 2. Frühstück wird dann gefolgt vom "Vormittags-snack", dann Mittagessen und so setzt sich das dann fort bis zum Abendessen. Was für ein drastischer Unterschied zu den Kindergarten-kindern, von denen ich im letzten Beitrag berichtet habe!

Kein großes Problem sollte man meinen, der Schulkiosk hat ja sicher eine große Auswahl ausgewogener Mahlzeiten?!? Eine große Auswahl hat er auch - von Cheeseburgern über Hotdogs bis hin zu Pommes Frittes- ich habe ihn "FAST FOOD PARADISE" genannt. Nach einer Mahlzeit, nach deren Verzehr man sich nicht in seinen Händen spiegeln kann, sucht man hier vergebens! Von Obst oder Gemüse ganz zu schweigen!

Und als ich an meinem ersten Tag eine Flasche Wasser kaufen wollte, starrte mich die Verkäuferin nur verständnislos an und zeigte auf ihre Getränkeauswahl. Von giftgrün bis knallrot alles da- nur kein Wasser. Unsicher wie ich war, kaufte ich mir dann eine "cola-ähnliche" Flüssigkeit, nur um festzustellen, dass ihr Zuckergehalt in Deutschland wahrscheinlich als "stark toxisch" eingestuft werden würde.

Leider geht diese Ernährung an den meisten "ninos" nicht spurlos vorbei und so ist Fettleibigkeit bei Kindern hier in Costa Rica ein noch viel ernsteres Problem als bei uns in Deutschland.

Trotzdem gilt das natürlich nicht für alle und der Pausenhof gleicht vor lauter Gewusel und Gerenne meist einem Hexenkessel. Erstaunlicherweise spielen die Kleinen hier nicht etwa Fußball, sondern Baseball. Und da sich keiner eine echte Ausrüstung leisten kann, gibt es hier einen regen Handel mit selbstgebauten Keulen und Bällen - meist aus Stöcken, Zeitung und Klebeband.

Trotz dieser selbsgebastelten Ausrüstung spielen die Kleinen wirklich gut und es macht richtig Spaß mitzumachen. Die Pausen gefallen mir -wie früher in der Schule- eigentlich am besten. Lächelnd

Gestern hatte ich 2 meiner Klassen samt Lehrern und mir für ein Gruppenfoto hergerichtet, nur um dann festzustellen, dass meine Kamera im entscheidenden Augenblick keinen Akku mehr hatte und sich abschaltete ... ziemlich peinlich kann ich euch sagen. Das Foto kommt aber noch, werde es in ein paar Tagen posten.

Letztes "Wochenende" war verlängert, und so waren wir 5 Tage lang im wunderschönen "Parque Nacionale Manuel Antonio", doch davon werde ich in meinem nächsten Blog berichten.

Ich hoffe es geht euch allen bestens,

Viele Grüße aus Costa Rica -das übrigens gerade untergeht-Unentschlossen

Pura Vida,

Euer Philipp

PS: Hier nun endlich die Fotos von der Klasse. Auf den Fotos sieht man schön wie es in der Klasse zugeht a) mit Lehrer und mir und b) nur mit mir Lächelnd

Mit LehrerOhne Lehrer :)

Numero tres! - "Dirty Weekend"

Mittwoch, 27.10.2010

Hola amigos!

Diese Woche habe ich zum ersten Mal zu spüren bekommen was es wirklich heißt in der "raining season" in Costa Rica zu leben. Es ist kaum zu glauben, innerhalb von nicht eimal zehn Minuten kann sich hier das schönste "Sommer-Sonne-Sonnenscheinwetter" in ein tropisches Gewitter mit sinflutartigem Regen verwandeln.

Die Locals, oder Ticos wie sie sich nennen, scheinen für diese Unwetter eine Art sechsten Sinn zu besitzen, denn als ich mich gestern mit dem Fahrrad nichtsahnend vom "Cafe Liberia" auf den Heimweg machte, wunderte ich mich warum alle Straßenveräufer so hektisch ihre Stände abbauten, schließlich schien die Sonne und der Himmel war nur leicht bewölkt...

Knapp zwei Minuten später kannte ich dann die Antwort.... aber da war es dann auch schon zu spät. Von Kopf bis Fuß durchweicht kam ich zuhause an, um dann auch noch das Gelächter meiner Hostfamily zu ernten Lachend

Der einzige Vorteil dieser Wahnsinns-schauer ist: es bleibt konstant 30C warm. Niederschlag und Temperatur scheinen sich in diesen Breitengraden nur geringfügig zu beeinflussen. Für uns "gringos" ohne sechsten Sinn ein echter Segen!!

Dieses Wochenende haben wir Volunteers zum ersten mal in Liberia verbracht.  Am Samstag haben wir uns in einem der vielen Kindergärten getroffen um diesen ein bisschen "aufzupeppen". Denn eines darf man bei all der paradisischen Umgebung hier nicht vergessen: ein großer Teil der Menschen, die hier leben, ist bitterarm. Und wer sind die ersten die darunter zu leiden haben? Richtig: die Kinder.

Meine Hostmutter, Zulay, die in genau diesem Kindergarten arbeitet hat mir ein bisschen aus ihrem Alltag dort erzählt, und ich war geschockt. Den "ninos" fehlt es einfach an allem. Spielzeug, Klamotten, aber auch hygienische Möglichkeiten und vor allem Nahrung.

So gibt es viele Kinder, die einzig und allein im Kindergarten zu essen bekommen. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass am Freitag Nachmittag extra viel gekocht wird, da die Kinder Samstag und Sonntag einfach NICHTS zu essen haben! Könnt ihr euch das vorstellen? Kinder von gerade mal vier oder fünf Jahren, die jede Woche zwei Tage ohne Essen auskommen müssen?!?

Als meine Hostmutter mir das erzählte hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, einen kurzen Blick hinter die fröhliche und farbenfrohe Fassade der costaricanischen Gesellschaft werfen zu können. Der traurige Grund für die hungernden Kinder sind die meist arbeitslosen, alkoholabhängigen Eltern, die jeden Colon für die nächste Flasche "caceque" (der hießige Billigvodka") ausgeben, anstatt für eine anständige Verpflegung ihrer Kinder zu sorgen. Ein Teufelskreis!!

Im Kindergarten haben wir Volunteers eine große Schaukel und ein Schattendach gebaut, unter dem man der stechenden Mittagssonne entgehen kann. Außerdem haben wir Beete angelegt, in denen die Kinder jetzt mit der Hilfe ihrer Erzieherinnen Gemüse anbauen.

Obwohl wir alle danach völlig am Ende waren, hat es doch wirklich Spaß gemacht, und die Kinder waren absolut begeistert. Und auch wenn es nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist, so haben wir ihren Kindergarten-alltag doch vielleicht etwas schöner gemacht.


Sonntags sind wir dann -natürlich- an den "playa hermosa" gefahren, der nur 20 km        (1 1/2h Autobus Unentschlossen) entfernt liegt, und hatten absolutes Wetterglück! Highlight des Tages war der 20-minütige "Banana-boat-ride", bei dem wir es doch tatsächlich geschafft haben, sechs mal bei voller Fahrt zu kentern, das erste mal ca. 10 sekunden nachdem das Boot losgefahren war. Unglaublich, wieviel Salzwasser man in so kurzer Zeit schlucken kann...Lächelnd

Alles in allem war es ein sehr abwechslungsreiches, interessantes und schönes Wochenende.

Mein Alltag hier in Liberia läuft auch weiter bestens. Inzwischen habe ich mich auch an das morgentliche Aufstehen gewöhnt, und die Schule macht immer mehr Spaß. Am Donnerstag habe ich meine erste Unterrichtusstunde komplett alleine gehalten, und es hat -fast- alles geklappt. Ich habe natürlich immer noch den "neuer-Lehrer"-Vorteil, deshalb waren die Kinder ungewöhnlich ruhig, aber ich glaube dieser Vorteil hält sich nicht mehr allzulange Lachend

Einer meiner nächsten Einträge wird definitiv mal über meine Schule sein, bis jetzt berichte ich ja meistens nur über die Wochenenden, und nicht über die eigentliche Volunteer-arbeit.

Hoffe es geht euch allen gut,

Viele Grüße aus dem -momentan- etwas regnerischen Costa Rica,

Pura Vida,

Philipp

PS: Dieser nette Kerl saß heute morgen vor meiner Tür als ich barfuß um 4.00 in die Dusche torkele...

Den allmorgentlchen Kaffee zum wachwerden konnte ich mir danach sparen... Zunge raus

Numero dos! - "Playa Avellanas"

Mittwoch, 20.10.2010

 Buenos días amigos!

Nun ist schon wieder mehr als eine Woche vergangen, in der ich nur wenig von mir habe hören lassen. Für diesen stockenden Informationsfluss möchte ich mich bei euch entschuldigen, meine Tage hier sind gefüllt mit verschiedensten Aufgaben und Verabredungen, da bleibt leider nur wenig Zeit zu schreiben.

Von den Wochenenden ganz zu schweigen. Ich freue mich aber natürlich trotzdem über jede Email. Lächelnd

Costa Rica zeigt sich weiterhin als Paradies. Täglich scheint die Sonne, wir haben Höchsttemperaturen von 39C und das Wasser ist einfach unbeschreiblich. Diese Woche hatten wir ein verlängertes „fin de semana“, da Montag Feiertag war, und somit konnten wir drei volle Tage am Strand verbringen. Herrlich!!!

Von Liberia aus hatten wir uns ein kleines Hostel („Casa Surf“) gebucht, das nur 5 Gehminuten vom „playa avellanas“, dafür aber 3 Busstunden von hier enfernt liegt, und so machten wir uns am Samstag morgen nichtsahnend auf den Weg zur Busstation, um rechtzeitig an den Strand zu kommen. Allerfdings hatten wir die Rechnung ohne den costaricanischen Straßenzustand gemacht.

Was bei uns nicht einmal mehr als Feldweg anerkannt werden würde, ist hier Normalzustand. Schlaglöcher und Risse soweit das Auge reicht. Und somit brauchten wir für die knapp 15 km von St.Cruz zum Hostel nicht die geplante halbe Stunde, sondern geschlagene zwei. Zwei Stunden in einem klapprigen Oldimer, eingezwängt zwischen Ticos und 100kg Reissäcken, bei gefühlten 50C (nach Klimaanlagen braucht man hier garnicht erst zu suchen), quer durch den Dschungel – ein Höllentrip.

Allerdings hat er sich gelohnt, denn der Strand übertraf alle Erwartungen. Über einen Steg geht man ca. 10 Minuten durch einen Mangrovenwald, dichtestes Grün umgibt einen, während man nur das Kreischen der Affen hört, die hier zu dutzenden Leben, und das Rauschen des Pazifiks langsam näherkommt. Wie gesagt, ein absolutes Paradies.

Der Strand selber ist ein bekanntes Surferparadies, 5m Wellen und Wasser das so warm ist, dass ich beinahe den gesamten Tag mit einem geliehen Bodyboard surfen konnte. Abends haben wir dann am Strand gegrillt und ein gigantisches Feuer gemacht. Absolut genial!!!

 

Meine Tage in Liberia entwickeln endlich eine gewisse Routine. Morgens um 7 beginnt der Unterricht an der Schule (austehen um 5:30), dann unterrichte ich für ca. 5 Stunden (mit vielen kleinen Pausen), und am Nachmittag habe ich dann Spansichunterricht.

Die Schule hier in Costa Rica unterscheidet sich in vieler Hinsicht von der Deutschen. Der wohl größte Unterschied ist dass die Kinder hier, aus mir unverständlichen Gründen, das Recht (!!!) haben während des Unterrichts zu reden und herumzugehen. Dies hat natürlich zur Folge dass die Klassenzimmer eher einem Irrenhaus gleichen, und keiner auch nur eine Chance hat den Sitznachbarn geschweige denn den Lehrer zu verstehen.

Hat man sich aber erstmal an das Chaos gewöhnt macht es wirklich Spaß. Die Kinder freuen sich immer wahnsinnig auf die Englischstunden, und wenn ich morgens in die Schule komme muss ich ersteinmal 157 „high fives“ geben Lächelnd. Einige begrüßen mich auch schon mit „Servus“ oder „Prost“.

In den nächsten Tagen werde ich meine Kamera mal mit in die Schule nehmen und ein paar Fotos machen, damit ihr wisst wovon ich spreche. Fotos von meiner Host-family und meinem Haus kommen auch bald, versprochen.

Jetzt muss ich aber los zum Salsa-unterricht,

sonnige Grüße aus Costa Rica,

Pura Vida,

Euer Philipp

Die 1. Woche - "Rincon de la Viéja"

Montag, 11.10.2010

Meine erste Woche in Costa Rica neigt sich dem Ende zu, und ich kann es kaum glauben. Einerseits verfliegt die Zeit, andererseits fühlt es sich an als würde ich schon monatelang in dieser völlig anderen Welt leben.

Nun, das wichtigste zuerst: Meine Hostfamilie ist einfach unglaublich nett!! Alle geben sich eine wahnsinns Mühe mir ihre spanischen Sätze mit Händen und Füßen begreiflich zu machen, und haben eine Engelsgeduld, auch wenn ich minutenlang nur Bahnhof verstehe.

Inzwischen habe ich aber meine Zeichensprach-fähigkeiten perfektioniert, was das Leben hier ungemein erleichert, da sich mein Spanisch immer noch mehr oder weniger auf "Yo me llamo Philipp" beschränkt Zwinkernd

Insgesamt Leben wir hier zu fünft, Luis (padre), Zulay (madre), Luis-Esteban (hijo), Benjamin, mein Host-brother aus Deutschland und ich. Das Haus ist klein aber für costaricanische Verhälnisse unglaublich modern (wir sind die einzigen Volunteers die Internet im Haus haben!!!. Warmes Wasser gibt es leider trotzdem keines, was allerdings nicht weiter schlimm ist, da es hier schon morgens um 6 schwülwarme 25-26 C warm ist.

Das Wetter generell ist traumhaft. Tagsüber durchschnittlich 32-34C, nur mittags ist es draußen kaum auszuhalten. Die gefürchteten Regenschauer habe ich bis jetzt noch nicht zu sehen bzw. spüren bekommen, aber das wird sich wohl in den nächsten Wochen noch ändern.

Mein erster Tag in der Schule an der ich Englisch unterrichte war unglaublich anstrengend. Auch wenn ich wie am Fließband "Perdon, no hablo espaniol" sagte, hielt das die ungefähr zehntausend kleinen Kinder in der Klasse doch nicht ab mich mit spanischen Fragen regelrecht zu bombardieren, die sie mir, zum besseren Verständnis, aus 2 cm Entfernung ins Ohr brüllten, und das alle auf einmal.

Als die Stunde dann endlich vorbei war, gingen wir zusammen in den Pausenhof, wo zwei Lehrer Reden hielten, der eine über die Verhaltensmaßnahmen bei Erdbeben, der andere über mich, den neuen Austauschlehrer (!!!). Es war schrecklich. Während der ersten Rede hatte ich es mir, nichts böses ahnend, in einer Ecke des Pausenhofes gemütlich gemacht, und nun saß ich da als sich plötzlich alle zu mir umdrehten und anfingen zu klatschen. Ich bin also aufgestanden und auf die Bühne gegangen,stand da wie bekloppt und habe kein Wort von dem verstanden was geredet wurde.Gottseidank reichte die allgemein bekannte Taktik "Lächeln und Nicken", und dir Rede war sehr sehr nett, wie mir eine Englischlehrerin im nachhinein mitteilte. Alles in allem also ein ziemlich ereignissreicher Tag.

Die Abende verbringen wir Volunteers meist im "Palermo", einer Bar, die uns schätzungsweise 96% ihres Umsatzes verdankt, oder in der Tanzschule, wo wir Salsa, Merenge und sonstige merkwürdige Tanzarten beigebracht bekommen Lächelnd . Beides macht wahnsinnig Spaß.

Mein erstes Wochenende war bist jetzt das Highligh. Am Samstag sind wir einen Vulkan geklettert, was einfach atemberaubend war. Atemberaubend auch im wahrsten Sinne des Wortes, denn als wir nach 3 Stunden endlich aus dem Dschungel am Fuße des Vulkans ankamen (nach einigen Pausen an malerischen Wasserfällen), verschlug uns der Schwefel schier den Atem. Wir haben es trotzdem bis an den Gipfel geschafft, waren allerdings alle mehr oder weniger high vom Schwefel.

 

 

Dies äußerte sich, vor allem bei unserem einheimischen Führer, in nicht enden wollenden Lachkrämpfen, die unser vorankommen allerdings eher behinderten. Was hatten wir für einen Spaß!!

Sonntags ging es an den "playa", ins gut 30C warme, türkisblaue Wasser. DIe Menschen hier leben wirklich im Paradies!!!

So, das war jetzt erstmal ein kleiner Einblick in das Leben hier, werde in den kommenden Wochen noch mehr von mir hören lassen.

Ich hoffe es geht euch allen genauso gut wie mir,

Ganz viele Grüße aus Costa Rica,

Pura Vida,

Euer Philipp